

Wann Sie eine Abfindung bekommen
Es gibt keinen automatischen Anspruch
Ein gesetzlicher Anspruch auf Abfindung besteht nur in Ausnahmefällen. In der Praxis entsteht die Abfindung fast immer als Ergebnis einer Verhandlung, meist im Rahmen einer Kündigungsschutzklage oder eines Aufhebungsvertrags.
Ihr Druckmittel ist die Klage
Je unsicherer die Kündigung für Ihren Arbeitgeber ist, desto höher fällt die Abfindung aus. Deshalb ist die Kündigungsschutzklage in den meisten Fällen der Weg zur Abfindung, nicht das Gegenteil davon.
Die Drei-Wochen-Frist
Die Klage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht eingehen. Läuft diese Frist ab, gilt die Kündigung als wirksam und Ihre Verhandlungsposition ist praktisch weg.
Höhe
Als Orientierung dient ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Das ist ein Ausgangspunkt, keine Obergrenze. Betriebszugehörigkeit, Alter, Fehler im Kündigungsverfahren und die wirtschaftliche Lage des Arbeitgebers verschieben den Betrag deutlich.
Steuern und Sozialabgaben
Die Abfindung ist beitragsfrei in der Sozialversicherung, aber einkommensteuerpflichtig. Unter bestimmten Voraussetzungen mildert die sogenannte Fünftelregelung die Steuerlast. Die Auszahlungsmodalitäten lassen sich mitverhandeln.

So gehe ich vor
1. Kündigung prüfen
Ich prüfe, ob die Kündigung wirksam ist und wo sie angreifbar ist. Daraus ergibt sich, wie stark Ihre Verhandlungsposition tatsächlich ist.
2. Realistische Zielgröße
Sie erfahren vorab, welche Größenordnung in Ihrem Fall erreichbar ist. Keine Wunschzahlen, sondern eine Einschätzung auf Basis vergleichbarer Verfahren.
3. Verhandeln
Ich verhandle mit Ihrem Arbeitgeber, notfalls über die Kündigungsschutzklage. Als aktive Unternehmensjuristin weiß ich, wie auf der Gegenseite kalkuliert wird.

Wann ein gesetzlicher Anspruch auf Abfindung besteht
Ausnahmsweise kann sich ein Anspruch auf Abfindung direkt ergeben:
- aus einem Abfindungsangebot des Arbeitgebers bei betriebsbedingter Kündigung nach § 1a KSchG (ein halber Monatsverdienst pro Beschäftigungsjahr), wenn Sie keine Klage erheben,
- aus einem Sozialplan, einem Tarifvertrag oder Ihrem Arbeitsvertrag,
- aus einem gerichtlichen Auflösungsurteil nach §§ 9, 10 KSchG, wenn Ihnen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zuzumuten ist; die Abfindung beträgt dann bis zu zwölf Monatsverdienste, bei älteren und langjährig Beschäftigten bis zu 15 oder 18.
Steuern, Sozialabgaben und Arbeitslosengeld
Abfindungen sind einkommensteuerpflichtig, aber grundsätzlich frei von Sozialversicherungsbeiträgen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die sogenannte Fünftelregelung (§ 34 EStG) im Rahmen der Einkommensteuererklärung die Steuerlast mindern. Auf das Arbeitslosengeld wird eine Abfindung grundsätzlich nicht angerechnet. Endet das Arbeitsverhältnis jedoch vor Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist, kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld eine Zeit lang ruhen (§ 158 SGB III). Lassen Sie steuerliche Fragen im Einzelfall zusätzlich von Ihrer Steuerberatung prüfen.
Ihre Abfindung einschätzen lassen
Rechnen Sie zuerst selbst nach, oder lassen Sie Ihren Fall direkt einschätzen. Im Arbeitsrecht ist die Ersteinschätzung für Sie kostenfrei.
